Einen Tagesbericht schreiben
Drei Wochen nach dem Dreh fragt jemand, warum Tag zwei überzog, ob die Drohne wirklich flog und wo die zweite Karte blieb. Der Tagesbericht ist die einzige Version der Antwort, die kein Raten ist.
Worum es geht
Tagesberichte existieren für drei Leser, die nicht am Set sind: das Produktionsbüro, das Budgets abgleicht, Versicherung oder Anwältin, falls ein Vorfall Zähne bekommt, und das zukünftige Ich, das den nächsten vergleichbaren Job plant. Alle drei brauchen dieselben Eigenschaften — am selben Abend geschrieben, jeden Tag gleich strukturiert, ehrlich bei Abweichungen. Der Bericht ist keine Prosa und keine Verteidigung; er ist ein Schnappschuss. Zehn konzentrierte Minuten während des Wraps erzeugen ihn. Die Alternative — einen Dreh zwei Monate später aus Chatverläufen und Rechnungen zu rekonstruieren — erzeugt Archäologie.
Die Reihenfolge zählt mehr als die Werkzeuge. Wer einen Schritt überspringt, merkt das meist erst zwei Schritte später — und dann kostet die Korrektur ein Vielfaches.
Was hier anders läuft
Die Punkte, an denen sich das von anderen Fällen unterscheidet:
- Jeden Tag dieselbe Vorlage: geplante gegen gedrehte Szenen, Stunden pro Person, Vorfälle, Medienstatus, Notizen für morgen — der Leser findet alles dort, wo es gestern war
- Abweichungen tragen Gründe und Folgen: nicht "Szene 12 entfallen", sondern "Szene 12 entfallen, Location verlor Licht, braucht Pickup im Büro-Motiv"
- Die Medien-Zeile ist binär und benannt: beide Backups verifiziert durch wen — oder eben nicht. Ein Tagesbericht ohne Medienstatus ist Dekoration
- Vorfälle bekommen Fakten, keine Urteile: was passierte, wann, wer beteiligt war, was getan wurde — die Versicherung liest diesen Satz Jahre später
Schritt für Schritt
In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:
- Setz die Vorlage vor Tag eins auf und befülle jeden Tag aus dem Drehplan vor: geplante Szenen, gebuchte Crew, Motive. Die Abendarbeit ist dann Korrektur, nicht Erschaffung.
- Sammle tagsüber statt am Ende: eine Notiz, wenn eine Szene fällt, ein Foto vom Vorfall, die echte Essenszeit. Der Bericht setzt sich aus Brotkrumen selbst zusammen.
- Schreib während des Wraps, solange die Crew lädt — die zehn Minuten existieren, und jede Stunde Abstand kostet Detail. Der um Mitternacht vom Sofa geschickte Bericht ist die Zusammenfassung einer Erinnerung.
- Berichte Gedrehtes gegen Geplantes pro Szene mit einem Wort zu jeder Lücke. Diese Liste ist der Planungs-Input für morgen und die ehrliche Grundlage, auf die sich später die Rechnung stützt.
- Erfasse Stunden wie geleistet, inklusive der halben Stunde nach Wrap, pro Funktion. Überstunden, die nie in einen Bericht gelangen, werden zu Überstunden, die nie geschuldet waren.
- Nenne den Medienstatus ausdrücklich: Karten gesichert, beide Kopien verifiziert, durch wen, wo die Platten heute Nacht schlafen. Ein Satz, enormer Wert flussabwärts.
- Markiere Entscheidungen, die vor dem morgigen Call fallen müssen — der Pickup, der einen Slot braucht, die zu ersetzende Requisite, die noch offene Kundenfreigabe. Der Bericht ist auch ein Eskalationskanal.
- Verschicke an einen festen Verteiler zur festen Zeit und archiviere bei den Produktionsunterlagen. Ein Bericht, der in einem Postfach wohnt, ist ein Bericht, den das halbe Team nie sah.
Typische Stolperstellen
Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:
- Berichte Tage später aus dem Gedächtnis schreiben — dann verteidigen sie, statt zu beschreiben
- Einen Vorfall weichzeichnen, den die Versicherung später mit harten Augen liest
- Berichte an niemanden Bestimmtes schicken und nirgendwo ablegen
Mit TillyGen
Weil der Tag in TillyGen geplant war, existiert die schwerste Spalte des Berichts schon: Geplant gegen Gedreht steckt im Plan mit seinen markierten Änderungen — als PDF exportiert wandert er direkt in die Akte.
Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.
Häufige Fragen
Wer schreibt den Tagesbericht bei einer kleinen Produktion?
Wer den Tag geführt hat — Producer oder Produktionsleitung. Das Schreiben zu delegieren funktioniert nur, wenn diese Person auch den Überblick hatte; sonst protokolliert der Bericht den Tag, den sich jemand vorgestellt hat.
Braucht ein Zwei-Personen-Dreh wirklich einen?
Einen kurzen, ja. Der Wert skaliert mit der Zeit, nicht mit der Crew-Größe: Medienstatus, Stunden und Abweichungen sind genau die Dinge, die ein Zwei-Personen-Team am Rechnungstag vergessen hat.
Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?
Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.
Lassen sich die Ergebnisse exportieren?
Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.