Einen DIT-Workflow aufsetzen

Auf großen Sets ist der Digital Imaging Technician eine Person. Auf kleinen ist er eine Checkliste, die trotzdem jemand abarbeiten muss — idealerweise derselbe Jemand den ganzen Tag.

Worum es geht

Zwischen Kamera und Schnitt liegt eine Kette unglamouröser Entscheidungen: wie Ordner aufgebaut sind, welche Kopie als Master gilt, ob die Editorin Kameraoriginale oder Proxys bekommt, wer dem DP sagt, dass Clip 47 ein defektes Bild hat. Entwirft niemand diese Kette, entwirft sie sich selbst — um 22 Uhr im Hotelzimmer, jeden Tag anders. Ein DIT-Workflow ist schlicht die einmal in der Vorbereitung entworfene Kette, an jedem Drehtag identisch ausgeführt. Genau deshalb kann die Post am Morgen nach dem letzten Tag schneiden, statt eine Woche zu sortieren.

Die Reihenfolge zählt mehr als die Werkzeuge. Wer einen Schritt überspringt, merkt das meist erst zwei Schritte später — und dann kostet die Korrektur ein Vielfaches.

Was hier anders läuft

Die Punkte, an denen sich das von anderen Fällen unterscheidet:

  • Das Ordnerschema wird in der Vorbereitung entschieden und nie improvisiert: Tag, Kamera, Karte — dasselbe Skelett an jedem einzelnen Tag
  • Proxys nützen nur, wenn sie exakt die Namen ihrer Originale tragen; ein umbenannter Proxy ist eine Falle
  • Technisches Feedback fließt noch am selben Tag zur Kamera zurück — ein defekter Clip, in der Post entdeckt, ist ein Nachdreh; mittags entdeckt, ein Retake
  • Der tägliche Medienreport ist ein Bildschirm: gesicherte Karten, grüne Checksummen, gefundene Probleme, verbleibender Speicher

Schritt für Schritt

In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:

  1. Entwirf die Pipeline in der Vorbereitung, Ende zu Ende: Kamera-Settings und Codecs, Sicherungstool, Ordnerschema, Proxy-Specs, falls der Schnitt sie will, und die Platte, die physisch zur Post fährt.
  2. Bau am Set eine echte Sicherungsstation auf — Tisch, Strom, Reader, beide Zielplatten, Checksummen-Software — statt einen Laptop auf einem Case neben dem Ausgang zu balancieren.
  3. Sichere jede Karte ins feste Schema mit Verifikation und halte das Ergebnis fest. Das Schema ist heilig: Ein kreativer Unterordner, an Tag zwei erfunden, kostet an Tag zehn eine Stunde.
  4. Überfliege jede Karte nach dem Kopieren: ersten und letzten Clip abspielen, Stichprobe in der Mitte, Clip-Zahl gegen die Kamera prüfen. Volle QC ist nicht das Ziel — eine tote Karte zu erwischen schon.
  5. Melde technische Befunde noch am selben Tag an den DP — defekte Frames, Schärfefehler in voller Größe, Flackern. Das Set kann heute reparieren, was die Post nur noch betrauern kann.
  6. Erzeuge über Nacht Proxys, falls der Schnitt damit läuft — mit identischen Dateinamen und dokumentierter LUT, damit der Online-Relink am Ende ein Klick ist und kein Ausgrabungsprojekt.
  7. Schließe jeden Tag mit dem Medienreport an die Produktion: was gedreht wurde, wo es liegt, was wehtut. Knapper Speicher taucht hier auf — zwei Tage bevor er zum Notfall wird.
  8. Übergib der Post eine Platte mit der vollständigen, schematreuen Struktur und den Reports neben dem Material — und hol dir schriftlich, dass sie angekommen ist und sich öffnen lässt.

Typische Stolperstellen

Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:

  • Jeden Abend neu erfundene Ordnerstrukturen, sodass keine zwei Drehtage zueinander passen
  • Proxys mit hilfreich neuen Namen, die auf keine Originale mehr zeigen
  • Niemand sichtet das Material bis zur Post, wo jede Entdeckung teuer ist

Mit TillyGen

Exportiere die TillyGen-Shotlist als CSV, und die DIT-Checkliste erbt die Struktur des Tages — Szenen, Shots und geplante Karten liegen deckungsgleich, und über die API fließen dieselben Daten direkt in Reporting-Tools, wenn deine Pipeline so weit geht.

Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.

Häufige Fragen

Wer macht DIT, wenn es keinen DIT gibt?

Eine benannte Person, die nicht gerade Schärfe zieht oder eine Angel hält — oft die Produktionsassistenz oder die zweite Kamera zwischen den Setups. Die Rolle darf klein sein; diffus darf sie nicht sein.

Brauche ich bei einer kleinen Produktion Proxys?

Nur wenn Schnittrechner oder Codec es verlangen. Moderne Schnittprogramme spielen viele Kameraformate nativ; frag die Editorin vor dem Dreh — die Antwort verändert das Nachtpensum.

Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?

Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.

Lassen sich die Ergebnisse exportieren?

Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.