Hochformat-Video planen
9:16 nimmt dir den Raum, mit dem eine Totale sonst etwas etabliert. Früh geplant, ist genau das ein Vorteil.
Worum es geht
Zwei Personen nebeneinander passen nicht mehr ins Bild, eine Landschaft wird zum Streifen, und das Auge wandert nach oben und unten statt nach links und rechts. Hochformat liegt näher am Porträt als an der Totale und belohnt Gesichter, Hände und Objekte, die zur Linse gehalten werden. Als Beschnitt aus 16:9 behandelt, macht es das Gegenteil: Auflösung verschwindet, Köpfe werden angeschnitten, und das Motiv landet dort, wo die breite Komposition es zufällig gelassen hat. Deshalb gehört die Entscheidung in die Vorbereitung — sie ändert Optikwahl, Blocking und die Form jedes Hintergrunds, den du suchst.
Die Reihenfolge zählt mehr als die Werkzeuge. Wer einen Schritt überspringt, merkt das meist erst zwei Schritte später — und dann kostet die Korrektur ein Vielfaches.
Was hier anders läuft
Konkret heißt das in der Planung:
- Hochformat bevorzugt Tiefe statt Breite: Dinge hintereinander lesen sich besser als Dinge nebeneinander.
- Zwei Personen in einem Bild heißt meist übereinander staffeln, in die Tiefe versetzen — oder auf Einzelbilder wechseln.
- Interface und Untertitel belegen oben und unten und verkleinern die nutzbare Fläche stärker, als das Seitenverhältnis vermuten lässt.
- Breit drehen und später beschneiden kostet Auflösung und Kontrolle; nativ 9:16 zu drehen kostet stattdessen Planungszeit.
Schritt für Schritt
In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:
- Entscheide vor dem Dreh, welches Format der Master ist. Optik, Abstand, Hintergrund und Blocking folgen dieser einen Wahl, und ein späterer Wechsel wird teuer.
- Blocke die Szenen auf Höhe um: Was in der Breiten nebeneinander stand, wird gestapelt, in die Tiefe versetzt oder in getrennte Einstellungen aufgeteilt.
- Wähl Hintergründe mit vertikaler Struktur — Türrahmen, Flur, Regal, Fassade. Breite, waagerechte Hintergründe fallen zu einem anonymen Streifen zusammen.
- Geh näher ran oder weiter mit der Brennweite, als das 16:9-Gefühl vorschlägt, und beurteile Kopfraum auf einem Monitor im echten Ausgabeformat.
- Kleb die Safe Area auf den Monitor, damit die Kamera schon während des Takes sieht, wo Interface und Untertitel später liegen.
- Halte Bewegung im mittleren Band. Action quer durchs Bild verlässt ein Hochformat fast sofort und wirkt wie ein Fehler statt wie Stil.
- Dreh das zweite Format bewusst, wenn du beide brauchst: entweder als eigenen Durchgang oder als gemeinsame Nutzfläche, mit der Post abgestimmt und mit Guides markiert.
- Schau dir einen Take auf dem Handy an, bevor es weitergeht. Was auf dem großen Monitor funktioniert, kann in der echten Betrachtungsgröße unlesbar sein.
Typische Stolperstellen
Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:
- Alles breit drehen mit dem Versprechen, der Schnitt beschneide später — Ergebnis sind angeschnittene Köpfe und weiche Bilder.
- Für das ganze 9:16-Rechteck komponieren und dann das untere Drittel an Untertitel und Buttons verlieren.
- Auf Totalen setzen, die keinerlei Information mehr tragen, sobald die Seiten fehlen.
Mit TillyGen
Setz das Zielformat in TillyGen, und die Shotlist kommt passend kadriert zurück: Hochformat-Setups, Safe-Area-Hinweise und die Zusatzdurchgänge für ein zweites Format.
Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.
Häufige Fragen
Kann man einen 16:9-Film nachträglich auf Hochformat beschneiden?
Technisch ja, mit Verlust an Auflösung und Kadrage. Einfache zentrierte Einstellungen überstehen das, alles mit zwei Personen oder Querbewegung nicht.
Braucht Hochformat andere Technik?
Keine andere Technik, aber ein anderes Bild. Dreh die Kamera oder nutz die mit der Post abgestimmte Fläche und monitor ab dem ersten Take im Ausgabeformat.
Welcher Teil des Bildes ist sicher?
Das mittlere Band. Rechne damit, dass die Plattform Text, Buttons und Profilelemente oben und unten platziert, und halte Gesichter und Kerntext davon frei.
Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?
Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.
Lassen sich die Ergebnisse exportieren?
Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.