Drehtage schätzen

Über den Tagessatz streitet niemand. Jeder Streit geht um die Zahl der Tage — und die lässt sich zählen statt raten.

Worum es geht

Jedes Kalkulationsgespräch kreist um dieselbe Frage: Wie viel passt in einen Tag? Die ehrliche Antwort beginnt bei Setups — wie oft sich Licht und Kameraposition wirklich ändern — und geht weiter mit allem, was unsichtbar Zeit frisst: Motivwechsel, Aufbau, Pausen, Verfügbarkeitsfenster, Tageslicht je nach Saison. Überzogene Tage entstehen selten durch langsame Crews, sondern durch Pläne, die Shots statt Setups gezählt und die Fahrt zwischen Motiven als gratis behandelt haben. Eine Schätzung aus der Setup-Zahl lässt sich vor dem Kunden Zeile für Zeile verteidigen — das unterscheidet eine Zahl von einer Verhandlungsposition.

Die Reihenfolge zählt mehr als die Werkzeuge. Wer einen Schritt überspringt, merkt das meist erst zwei Schritte später — und dann kostet die Korrektur ein Vielfaches.

Was hier anders läuft

Konkret heißt das in der Planung:

  • Die Einheit ist das Setup, nicht der Shot: Mehrere Einstellungen teilen sich einen Lichtzustand und eine Kameraposition — in diesem Teilen wird Zeit gewonnen.
  • Setups haben Gewicht: eine Available-Light-Interviewecke und eine ausgeleuchtete Kamerafahrt zählen beide als eins und liegen Stunden auseinander.
  • Die Crew arbeitet deutlich länger, als die Kamera läuft — Aufbau, Proben, Umbauten und Pausen wohnen alle im selben Tag.
  • Puffer gehört dorthin, wo sich Risiko sammelt: Wetterszenen, Laien, Tiere, erster Tag an neuem Motiv — nicht als abstrakter Prozentsatz obendrauf.

Schritt für Schritt

In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:

  1. Zähle Setups aus der Shotlist: Jede substanzielle Änderung von Kameraposition und Lichtzustand ist eins. Dass sich mehrere Shots ein Setup teilen, ist die Effizienz, um die du planst.
  2. Gewichte jedes Setup ehrlich. Eine Talking-Head-Ecke, ein geriggter Car-Shot und eine ausgeleuchtete Steadicam-Fahrt sind alle 'ein Setup' und spielen in verschiedenen Gewichtsklassen.
  3. Bilde den ganzen Tag ab, nicht nur das Drehen: Call, Aufbau, Proben, Takes, Umbauten, Pausen, Abbau. Der Plan muss die Stunden zeigen, in denen die Kamera nicht läuft.
  4. Trag Motivwechsel als eigene Positionen ein, mit Packen, Fahrt und Neuaufbau. Unbepreiste Wechsel sind die häufigste Quelle stiller Überziehungen.
  5. Lege die festen Grenzen darüber: Verfügbarkeitsfenster der Darsteller, Zugangszeiten der Motive und wie viel Tageslicht die Jahreszeit wirklich hergibt.
  6. Lass DP oder Erste Aufnahmeleitung die Zahl gegen die Shotlist prüfen. Erfahrene Köpfe finden den Tag, der nicht passt, bevor der Drehplan es tut.
  7. Setze Puffer dorthin, wo das Risiko sitzt — die wetterabhängige Szene, der Laien-Vormittag — statt eine abstrakte Reserve über alles zu gießen.
  8. Präsentiere die Schätzung mit sichtbaren Annahmen: Setups pro Tag, Wechsel, Stunden. Ändert sich der Umfang, antwortet die Tageszahl mit einem Delta statt mit einem Achselzucken.

Typische Stolperstellen

Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:

  • Shots statt Setups zählen — so wirkt ein unmöglicher Tag auf dem Papier großzügig.
  • Motivwechsel als gratis behandeln, weil es 'nur zwanzig Minuten' sind — Packen und Neuaufbau sind die Kosten, nicht die Fahrt.
  • Erst das Kundenbudget die Tageszahl bestimmen lassen und danach die Shotlist passend biegen.

Mit TillyGen

TillyGen zählt die Setups für dich: Briefing rein, strukturierte Shotlist raus, nach Setups gruppiert — die Tageszahl liest du am Plan ab, statt sie aus Erfahrung zu verteidigen.

Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.

Häufige Fragen

Wie viele Setups passen in einen Drehtag?

Das hängt am Gewicht. Dokumentarische Interviewtage tragen viele, ausgeleuchtete szenische Tage wenige. Gewichte Setups nach Aufbauzeit, statt eine Universalzahl anzuwenden.

Lohnt es sich, halbe Drehtage zu kalkulieren?

Selten. Crew und Technik werden in Tageseinheiten gebucht, und Aufbau plus Abbau fressen die Ersparnis. Ein kurzer Tag kostet meist fast so viel wie ein voller.

Woran überziehen Drehtage am häufigsten?

An unterschätzten Motivwechseln, an Lichtumbauten, die als trivial galten, und an Entscheidungen, die aufs Set vertagt wurden. Alle drei sind im Plan sichtbar — wenn jemand einen baut.

Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?

Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.

Lassen sich die Ergebnisse exportieren?

Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.