Ein Videobudget planen

Ein Budget bepreist Deliverables und den Weg dorthin — nicht 'ein Video'. Bau es rückwärts von dem auf, was am Ende existieren muss.

Worum es geht

Die sichtbaren Kosten — Crew, Kamera, Motiv — bringen ein Videobudget selten zu Fall. Die Ränder tun es: Nutzungsrechte, die niemand bepreist hat, eine Untertitel-Version pro Markt, eine dritte Feedbackrunde, Musiklizenzen, die fehlende Reservezeile. Ein Budget, das von den Deliverables rückwärts gebaut ist, fängt genau das ab, weil jedes Deliverable seine eigenen Positionen sichtbar erzwingt. Es gibt dir außerdem das Werkzeug für Umfangsgespräche: Wenn der Kunde eine Version ergänzt, zeigt das Budget das Delta — statt es still zu schlucken, bis die Marge weg ist.

Die Reihenfolge zählt mehr als die Werkzeuge. Wer einen Schritt überspringt, merkt das meist erst zwei Schritte später — und dann kostet die Korrektur ein Vielfaches.

Was hier anders läuft

Die Punkte, an denen sich das von anderen Fällen unterscheidet:

  • Nutzungsrechte und Buyouts skalieren Kosten unsichtbar: derselbe Film für einen Markt und ein Jahr kostet anders als weltweit, unbegrenzt.
  • Die Postproduktion ist der Ort, an dem unterbudgetierte Projekte leise sterben — Schnittrunden, Grading, Mischung, Motion Design und Untertitel verdienen je eine Zeile.
  • Die Reservezeile ist professioneller Standard, kein Polster; zehn Prozent gelten verbreitet als Untergrenze bei Drehs mit realem Risiko.
  • Jede Budgetversion braucht Datum und Annahmen, damit Änderungswünsche mit einem Delta beantwortet werden statt mit einem Neubau.

Schritt für Schritt

In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:

  1. Liste zuerst jedes Deliverable — jede Länge, jedes Seitenverhältnis, jede Sprach- und Untertitelversion. Das Budget bepreist diese Liste und den Weg dorthin, nichts Vageres.
  2. Blocke das Budget nach Phasen: Entwicklung, Vorproduktion, Dreh, Post, Musik und Lizenzen, Versionierung, Reserve. Ein leerer Block muss eine Entscheidung sein, nie ein Versehen.
  3. Bepreise den Dreh aus dem Plan: Tagessätze der Crew, Equipment, Motivmieten, Darsteller, Reisen, Catering. Die Tageszahl kommt aus der Setup-Zahl, nicht umgekehrt.
  4. Budgetiere Nutzung und Buyouts explizit: wo der Film läuft, wie lange, in welchen Territorien. Darsteller- und Musikkosten skalieren mit der Nutzung, Nachlizenzieren ist teuer.
  5. Gib der Post ihr echtes Gewicht: Schnittrunden, Grading, Tonmischung, Motion Design, Untertitel. Zähl die enthaltenen Feedbackrunden schriftlich.
  6. Setz eine Reservezeile und verteidige sie im Kundengespräch. Ein Budget ohne Reserve verwandelt die erste Überraschung in einen Rechnungsstreit.
  7. Gleiche Ambition und Geld auf dem Papier ab, nicht am Set: Eine Szene im Plan zu streichen kostet ein Gespräch, sie am Drehtag zu streichen kostet den Zeitplan.
  8. Versioniere das Budget mit Datum und Annahmen, damit jede Umfangsänderung ein sichtbares Delta bekommt und die Historie nachvollziehbar bleibt.

Typische Stolperstellen

Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:

  • Nutzungsrechte vergessen, bis der Kunde den Film als Anzeige schalten will — dann startet die Buyout-Verhandlung aus der Schwäche.
  • Den Dreh finanzieren, indem der Schnitt ausgehungert wird — das Material ist großartig und der Film nicht.
  • Die Reserve als erste Position streichen, sobald der Kunde am Preis rüttelt.

Mit TillyGen

Weil TillyGen Setups und Drehtage aus dem Briefing ableitet, steht dein Budget auf einem zählbaren Umfang statt auf Bauchgefühl — und eine Umfangsänderung zeigt sich als sichtbares Delta.

Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.

Häufige Fragen

Welchen Anteil des Budgets sollte die Post bekommen?

Es gibt keinen universellen Schlüssel — ein Motion-lastiger Explainer kehrt das Verhältnis eines dokumentarischen Drehs um. Bepreise die Post-Deliverables einzeln und weigere dich, den Dreh aus dem Schnitt zu finanzieren.

Wie kalkuliere ich, wenn der Kunde keinen Rahmen nennt?

Biete zwei oder drei Umfangs-Szenarien mit Preisen an. Der Kunde wählt ein Niveau, und das Gespräch dreht sich von 'zu teuer' zu 'welcher Umfang'.

Was gehört in die Reservezeile?

Das Unvorhersehbare: Wetterumschwung, Überstunden, ein Nachdreh-Insert, ein defektes Leihgerät. Bekannte, aber unbepreiste Posten sind keine Reserve — das sind fehlende Zeilen.

Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?

Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.

Lassen sich die Ergebnisse exportieren?

Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.