Datenmanagement planen
Verlorenes Material ist der eine Produktionsfehler ohne Umweg. Alles andere lässt sich mit Geld zurückkaufen.
Worum es geht
Die Routine, die das verhindert, ist langweilig und muss jedes Mal identisch sein: Karten laufen nur in eine Richtung, Kopien werden geprüft statt gezogen, und nichts wird formatiert, bevor das Material an zwei Orten auf getrennten Medien liegt. Bei größeren Drehs verantwortet ein Data Wrangler diese Routine. Bei Corporate-Drehs landet sie meist bei dem, der beim Abbau gerade frei ist — genau deshalb gehört sie mit Namen und Zeitfenster in den Plan. Die zweite Hälfte der Aufgabe ist Struktur: Benennung und Ordner stehen vor Tag eins fest, weil späteres Umbenennen die Verbindung zwischen Bild, Ton und Notizen kappt.
Die Reihenfolge zählt mehr als die Werkzeuge. Wer einen Schritt überspringt, merkt das meist erst zwei Schritte später — und dann kostet die Korrektur ein Vielfaches.
Was hier anders läuft
Konkret heißt das in der Planung:
- Eine Kopie zählt erst als Kopie, wenn sie geprüft ist: Checksummen-Tools bestätigen, dass die Datei intakt ankam — Ziehen per Maus tut das nicht.
- 3-2-1 als Arbeitsregel: drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medien, eine davon außer Haus oder in der Cloud.
- Karten sind kein Speicher. Formatiert wird erst, wenn zwei geprüfte Kopien existieren — nie, um mitten im Dreh Platz zu schaffen.
- Benennung und Ordnerstruktur stehen vor dem ersten Drehtag fest, weil späteres Umbenennen die Verbindung zu Ton und Notizen zerreißt.
- Das Überspielen braucht Zeit im Drehplan; parallel zum Abbau erledigt, werden Karten zu früh formatiert.
Schritt für Schritt
In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:
- Schätz das Datenvolumen vor dem Dreh aus Codec, Auflösung und Drehverhältnis und kauf oder miete passende Platten mit Luft nach oben.
- Schreib den Kartenweg auf: volle Karten in eine markierte Tasche, leere in eine andere, und niemand formatiert eine Karte außer der Person, die überspielt.
- Benenne pro Drehtag eine verantwortliche Person für Daten und gib ihr Zeit im Drehplan, statt zu hoffen, dass es beim Abbau nebenher passiert.
- Kopiere mit einem Tool, das Prüfsummen und einen Report erzeugt — und lies den Report. Ein ungelesener Prüfbericht ist dasselbe wie keine Prüfung.
- Erreiche zwei Kopien auf getrennten Platten, bevor eine Karte wiederverwendet wird, und ergänze die dritte außer Haus oder als Upload, sobald eine Leitung es zulässt.
- Überspiel Ton und Zweitkamera am selben Tag in dieselbe Struktur mit derselben Benennung. Getrennte Wege erzeugen die verwaisten Dateien, die der Schnitt Wochen später findet.
- Leg die Notizen des Tages zum Material: Shot Notes, markierte Takes, Tonberichte. Metadaten getrennt vom Material sind keine Metadaten mehr.
- Übergib an die Post mit einer schriftlichen Aufstellung, was wo liegt, und lass bestätigen, dass die Gegenseite die Dateien lesen kann, bevor die Platten das Haus verlassen.
Typische Stolperstellen
Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:
- Eine Karte am Set formatieren, weil sie 'auf jeden Fall kopiert' ist, während die zweite Kopie noch läuft.
- Beide Platten im selben Case im selben Wagen lagern — das ist eine Kopie mit Zusatzaufwand.
- Ordnernamen am Drehtag erfinden, sodass der Schnitt seine ersten Stunden mit Rekonstruktion verbringt.
Mit TillyGen
Shotlist und Drehplan aus TillyGen liefern die Basis fürs Rechnen: wie viel wo und wie lange gedreht wird — Platten und Überspielzeit buchst du, bevor die erste Karte steckt.
Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.
Häufige Fragen
Was heißt 3-2-1 im Drehalltag?
Drei Kopien des Materials, auf zwei verschiedenen Medientypen, eine davon an einem anderen Ort. Am Set sind das meist zwei Platten plus ein Upload.
Braucht es einen eigenen Data Wrangler?
An großen oder Mehrkameratagen ja. Bei kleineren Drehs kann die Rolle Teil eines Jobs sein — solange sie benannt ist und Zeit im Drehplan hat.
Wie lange muss Material aufbewahrt werden?
Bis Nutzungszeitraum und vereinbartes Fenster für Nachbearbeitungen abgelaufen sind. Leg Archivdauer und Kostenträger im Vertrag fest, nicht danach.
Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?
Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.
Lassen sich die Ergebnisse exportieren?
Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.