B-Roll-Shotlist-Vorlage
B-Roll ist nicht das Material, das übrig bleibt — es ist das Material, das den Rest überhaupt schneidbar macht.
Worum es geht
Der Unterschied zur normalen Shotlist liegt im Ausgangspunkt. Eine Szenen-Shotlist beginnt beim Drehbuch und sortiert nach Setups; eine B-Roll-Liste beginnt bei den Problemen, die der Schnitt sicher bekommt — ein zu kaschierender Sprung, ein Interview, das Luft braucht, ein Ort, den das Publikum noch nie gesehen hat, ein Übergang zwischen zwei Tagen. So gedacht, ist die Liste kein Wunsch nach Atmosphäre mehr, sondern ein Bestand mit Zweck je Zeile. Sie wird außerdem in den Lücken gedreht — genau deshalb muss sie geschrieben sein: Um 17:50 Uhr improvisiert niemand gutes Deckmaterial.
Die Vorlage ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel: Sobald sie zweimal von Hand ausgefüllt wurde, lohnt sich die Frage, ob das Dokument nicht aus dem Plan entstehen sollte.
Was hier anders läuft
Die Punkte, an denen sich das von anderen Fällen unterscheidet:
- Eine Zweckspalte, die sagt, was jeder Shot im Schnitt löst — einen Schnitt decken, einen Ort etablieren, einen Off-Text tragen, zwei Szenen verbinden
- Eine Längenangabe je Shot: Ein zwei Sekunden gehaltener Zwischenschnitt ist unbrauchbar, wenn der Schnitt sechs braucht — eine langsame Bewegung noch mehr
- Gruppierung nach Motiv und Tageszeit statt nach Thema, weil B-Roll dort mitgenommen wird, wo das Team ohnehin schon steht
- Ein Vermerk zu Bewegung und Stabilität: Handkamera-Atmosphäre und ein abgebundenes Insert sind nicht austauschbar, wenn der Schnitt eines von beidem will
- Ton zum Bild, wo es ihn gibt — Raumton, Maschinen, Schritte — je Shot markiert, denn stumme B-Roll braucht später bezahlten Library-Ton
Schritt für Schritt
In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:
- Geh die geplante Schnittstruktur durch und notiere jede Stelle, an der der Schnitt etwas brauchen wird, das nicht die Haupthandlung ist.
- Mach aus jeder dieser Stellen einen Shot mit benanntem Zweck — keine Zeile steht auf der Liste, nur weil das Bild schön klingt.
- Ergänze die Establisher, die das Publikum zur Orientierung braucht, inklusive der Außenansicht, an die vor dem Rohschnitt niemand denkt.
- Leg eine Mindestlänge je Shot fest und sag sie der Kamera: Brauchbar ist fast immer die Einstellung, die länger lief, als es sich anfühlte.
- Bündle die Liste nach Motiv und Tageszeit und schieb die Bündel dorthin in den Drehplan, wo das Team ohnehin steht.
- Nimm an jedem Motiv Raumton und relevante Geräusche auf und markiere auf der Liste, welche Shots brauchbaren Ton mitbringen.
- Hak die Punkte während des Drehs ab und prüf die offenen, bevor du ein Motiv zum letzten Mal verlässt.
Typische Stolperstellen
Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:
- Shots ohne Zweck gesammelt: eine Stunde attraktives Material, das kein einziges Problem des Rohschnitts löst
- Zu kurz gehaltene Zwischenschnitte — brauchbar sind am Ende nur die Einstellungen, bei denen jemand vergessen hat zu stoppen
- B-Roll ans Tagesende schieben, wenn das Licht gewechselt hat und rings um die Kamera abgebaut wird
- Kein Raumton: Jede B-Roll-Sequenz wird damit zur Sounddesign-Aufgabe, die niemand eingeplant hat
Mit TillyGen
TillyGen hält die geplante Schnittstruktur neben der Shotlist — das Deckmaterial, das eine Sequenz braucht, taucht damit als eigene Einträge an dem Tag auf, an dem es wirklich drehbar ist.
Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.
Häufige Fragen
Wie viel B-Roll ist genug?
Zähl die Probleme, nicht die Minuten. Jeder zu deckende Schnitt, jede Off-Passage und jeder Ortswechsel braucht mindestens eine brauchbare Option — und eine Option ist kein Plan für eine Passage, die eine Minute läuft.
Worin unterscheidet sie sich von der normalen Shotlist?
Die Szenen-Shotlist arbeitet vom Drehbuch aus und ist nach Setups sortiert, damit der Drehtag effizient läuft. Die B-Roll-Liste arbeitet rückwärts vom Schnitt und ist nach Motiven sortiert, weil sie dort entsteht, wo das Team ohnehin steht.
Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?
Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.
Lassen sich die Ergebnisse exportieren?
Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.