Archivierungs-Checkliste
Ein Archiv ist keine volle Festplatte im Schrank, sondern Material, das in fünf Jahren noch jemand findet und noch öffnen kann.
Worum es geht
Die Archiventscheidung trifft meist niemand — so bezahlen Produktionen Speicher, den sie nicht nutzen können. Alles behalten klingt sicher und ist die teuerste Variante; nur den Master behalten klingt schlank, bis eine Kürzung angefragt wird und die Projektdatei weg ist. Die realistische Mitte ist eine bewusste Auswahl: die fertigen Master samt textfreier Fassungen, die Projektdateien mit dem Material, auf das sie verweisen, die Rechteunterlagen, die den erlaubten Rahmen definieren, und genug Metadaten, damit auch Fremde einen Shot finden. Ein Archiv unterscheidet sich von einem Stapel Platten dadurch, dass jemand einmal daraus zurückgespielt hat.
Die Vorlage ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel: Sobald sie zweimal von Hand ausgefüllt wurde, lohnt sich die Frage, ob das Dokument nicht aus dem Plan entstehen sollte.
Was hier anders läuft
Konkret heißt das in der Planung:
- Die gestufte Behalten-Liste: gelieferte Master und textfreie Fassungen, Projektdateien mit referenziertem Material, ausgewähltes Rohmaterial — und was bewusst gelöscht wird
- Medien und Orte mit mindestens zwei unabhängigen Kopien an verschiedenen Stellen, dazu die Notiz, in welchem Format jede Kopie geschrieben ist
- Rechte und Unterlagen neben dem Material: Einverständniserklärungen, Lizenzen, Cue Sheet, Lieferspezifikation und die unterschriebene Freigabe
- Ein Metadaten- und Ordnerstandard, der ohne die Person funktioniert, die ihn gebaut hat, inklusive einer schlichten Readme mit Projekt, Daten und Inhalt
- Aufbewahrungs- und Prüftermine: wann jeder Posten wieder angesehen wird und wessen Budget den Speicher bis dahin trägt
Schritt für Schritt
In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:
- Warte, bis die Auslieferung bestätigt und die Freigabe unterschrieben ist, und entscheide die Behalten-Liste dann bewusst, statt Platten einfach liegen zu lassen.
- Konsolidiere das Projekt: Sammle das Schnittprojekt mit dem referenzierten Material, damit es sich später ohne Suche nach verlorenen Verknüpfungen öffnet.
- Schreib zuerst die Master und die textfreien Fassungen weg — sie werden am häufigsten angefragt und sind am schwersten neu zu bauen.
- Leg die Unterlagen ins selbe Archiv wie das Material — Lizenzen, Einverständniserklärungen, Cue Sheet, Spezifikation und Freigabe — denn Rechtefragen kommen ohne das Material.
- Schreib mindestens zwei Kopien auf unabhängige Medien an verschiedenen Orten und halte fest, welche Kopie wo liegt.
- Leg eine Readme als reinen Text dazu, mit Projekt, Daten, Inhalt und verwendeten Softwareversionen — geschrieben für jemanden, der nicht dabei war.
- Spiel eine Stichprobe aus dem fertigen Archiv zurück und öffne sie: Ein ungetestetes Archiv ist eine Hoffnung, kein Backup.
- Setz Aufbewahrungs- und Prüftermine, stimm sie auf Lizenzlaufzeiten und die gesetzlichen Aufbewahrungspflichten für kaufmännische Unterlagen ab und benenne die zuständige Person.
Typische Stolperstellen
Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:
- Eine Projektdatei ohne ihr Material archivieren — sie öffnet Jahre später als Timeline aus fehlenden Clips
- Eine Kopie in einem Gebäude: Ein Wasserschaden, ein Diebstahl oder eine defekte Platte beendet die gesamte Geschichte einer Produktion
- Keine Readme und kein Benennungsstandard: Das Material existiert, aber navigieren könnte es nur eine ehemalige Kollegin
- Nie einen Rückspieltest machen — so fällt ein defektes Archiv genau an dem Tag auf, an dem es gebraucht wird
Mit TillyGen
TillyGen hält Szenen, Shots und Drehtage verbunden — das Archiv erbt damit eine Struktur, die erklärt, was das Material ist, statt eines Ordnerbaums, dessen Logik mit der Person gegangen ist, die ihn angelegt hat.
Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.
Häufige Fragen
Worin unterscheidet sie sich vom Datenmanagement-Plan?
Der Datenmanagement-Plan regelt den Dreh selbst, von der Karte bis zur Übergabe, und handelt vom Nichtverlieren. Die Archiv-Checkliste beginnt nach der Auslieferung und handelt von bewusster Auswahl, Auffindbarkeit und der Frage, ob sich das Material in Jahren noch öffnen lässt.
Lohnt es sich, das Rohmaterial zu behalten?
Ausgewählt. Behalte, was eine spätere Fassung brauchen würde — die verwendeten Takes, Alternativperspektiven wichtiger Szenen, ungenutzte B-Roll des Motivs — und benenne ausdrücklich, was gelöscht wird, damit niemand es weiter vermutet.
Wie lange bleibt Material im Archiv?
Stimm die Dauer auf die Lizenzlaufzeiten des verwendeten Materials, die dem Kunden eingeräumten Nutzungsrechte und die gesetzlichen Aufbewahrungspflichten für kaufmännische Unterlagen ab. Schreib das Datum auf — Speicher ohne Prüftermin wächst einfach weiter.
Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?
Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.
Lassen sich die Ergebnisse exportieren?
Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.