Interview-Fragenliste-Vorlage

Im Schnitt ist eine Antwort, die mit ja beginnt, nichts wert — egal wie gut der Satz danach war.

Worum es geht

Eine Fragenliste hat zwei Aufgaben, die gegeneinander ziehen: das Material zu holen, das der Schnitt braucht, und vor der Kamera ein Gespräch am Leben zu halten. Als Fragebogen abgearbeitet, erzeugt sie kurze, defensive Antworten; als lockerer Plausch geführt, vierzig Minuten ohne Schnittfähiges. Der Weg dazwischen ist ein geschriebener Bogen — leichte Fragen zuerst, solange die Person ankommt, die schwierigen in der Mitte, wo das Vertrauen am größten ist, und eine Schlussfrage, die Raum für das lässt, wonach du nicht gefragt hast. Die Liste ist Vorbereitung, kein Text zum Vorlesen.

Die Vorlage ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel: Sobald sie zweimal von Hand ausgefüllt wurde, lohnt sich die Frage, ob das Dokument nicht aus dem Plan entstehen sollte.

Was hier anders läuft

Konkret heißt das in der Planung:

  • Ein Bogen in drei Teilen: Aufwärmfragen, die ohne Nachdenken beantwortbar sind, der Kern in der Mitte und ein Ausklang am Ende
  • Durchgehend offene Formulierungen — beschreib, erzähl von, was passierte, als — denn jede Ja-Nein-Frage wird mit Ja beantwortet
  • Eine Notiz je Frage, welche Antwort der Schnitt wirklich braucht, damit du im Raum erkennst, ob du sie schon hast
  • Der Hinweis, in ganzen Sätzen zu antworten, die die Frage enthalten — die fragende Person ist im fertigen Film meist nicht zu hören
  • Reservefragen und Umformulierungen je Thema, für den Moment, in dem eine Frage missverstanden wird oder eine nichtssagende Antwort erzeugt

Schritt für Schritt

In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:

  1. Schreib in drei Sätzen auf, was der fertige Film von dieser Person hören muss, und bau dann Fragen, die genau diese Sätze erzeugen können.
  2. Sortier die Liste als Bogen: Biografisches und leichtes Terrain zuerst, das schwierige Thema, wenn die Person das Mikrofon nicht mehr hört.
  3. Formulier jede geschlossene Frage offen um und streich Doppelfragen — beantwortet wird immer nur ihre zweite Hälfte.
  4. Brief die Person vor der Aufnahme darauf, in ganzen Sätzen zu antworten, die die Frage tragen, und zeig es an einem Beispiel.
  5. Bereite je Kernfrage zwei Umformulierungen vor, damit ein Missverständnis nicht das ganze Thema kostet und du im Raum nicht improvisieren musst.
  6. Leg die Liste im Interview zur Seite, hör zu und folg der Antwort, wenn sie irgendwohin führt, das besser ist als deine nächste Frage.
  7. Schließ mit einer offenen Einladung zur Ergänzung und markiere auf der Liste, welche Antworten du wirklich hast, bevor abgebaut wird.

Typische Stolperstellen

Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:

  • Die Liste der Reihe nach vorlesen: Aus einem Gespräch wird ein Verhör und die Antworten klingen auswendig gelernt
  • Geschlossene Fragen, deren Antworten unbrauchbar sind, weil nichts darin das Thema benennt
  • Doppelfragen, bei denen die leichtere Hälfte beantwortet wird und die schwierigere still verschwindet
  • Abbauen, bevor die Liste geprüft ist, und im Schnitt merken, dass die zentrale Aussage nie gefallen ist

Mit TillyGen

TillyGen verknüpft die Fragen mit den Szenen und Aussagen, um die der Film gebaut ist — die Liste zeigt schon im Dreh, zu welcher geplanten Botschaft noch keine Antwort auf Band ist.

Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.

Häufige Fragen

Sollte man die Fragen vorab schicken?

Schick die Themen, nicht den Wortlaut. Themen helfen beim Erinnern konkreter Details; exakte Fragen erzeugen Antworten, die am Vorabend geschrieben und dann wie abgelesen vorgetragen werden.

Wie viele Fragen gehören auf die Liste?

Weniger als gedacht, dafür tiefer. Eine Aufnahmestunde trägt realistisch eine Handvoll Kernfragen samt Nachfragen — der Rest der Liste existiert, damit du ausweichen kannst, wenn eine davon nicht funktioniert.

Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?

Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.

Lassen sich die Ergebnisse exportieren?

Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.