Schnittnotizen-Vorlage
Die teuerste Notiz ist die, in der steht, dass die Mitte hängt — richtig, unbearbeitbar und nicht abhakbar.
Worum es geht
Schnittnotizen sind das Arbeitsgespräch zwischen Regie und Montage, solange ein Schnitt noch entsteht. Sie sind ihrem Wesen nach intern: in Fachsprache geschrieben, dürfen dem Vortag widersprechen und gehen so nie an den Kunden. Ihre Qualität misst sich an genau einer Frage — kann die Montage sich allein hinsetzen und jede Zeile umsetzen, ohne anzurufen. Dafür brauchst du einen Timecode, die Beschreibung der fehlenden Wirkung statt der anzuwendenden Technik und eine Versionsangabe, denn eine Notiz zum Schnitt der Vorwoche zeigt heute auf das falsche Bild.
Die Vorlage ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel: Sobald sie zweimal von Hand ausgefüllt wurde, lohnt sich die Frage, ob das Dokument nicht aus dem Plan entstehen sollte.
Was hier anders läuft
Die Punkte, an denen sich das von anderen Fällen unterscheidet:
- Ein Timecode je Notiz im Format der gesichteten Fassung, als Bereich statt als Punkt, sobald es um eine Passage geht
- Die gewünschte Wirkung in einem Satz — was die Szene hier leisten soll — statt der Schnittanweisung, die dem Notizschreiber vorschwebt
- Eine Typmarkierung, die Fehler, Struktur und Geschmack trennt: fehlendes Bild, Szenenreihenfolge und Farbvorliebe sind drei verschiedene Gespräche
- Die Fassung, auf die sich die Notiz bezieht, exakt wie die Datei hieß — damit niemand Notizen aus Woche drei auf den Schnitt aus Woche vier anwendet
- Eine Statusspalte, die die Montage füllt — erledigt, anders gelöst, besprochen und verworfen — damit aus der Liste ein Protokoll wird statt einer wiederkehrenden Debatte
Schritt für Schritt
In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:
- Sieh den Schnitt einmal ohne Stopp und ohne Schreiben, damit der erste Eindruck dem Film gilt und nicht dem Bild bei 00:04:12.
- Sieh ihn ein zweites Mal und schreib dabei, mit einem Timecode aus genau der Fassung, die vor dir läuft.
- Formulier jede Notiz als fehlende Wirkung und hör dann auf — die Montage kennt zwölf Wege dorthin, du kennst einen.
- Markiere den Typ jeder Notiz, damit die Montage bündeln kann: Fehler zuerst, Struktur in einem Durchgang, Geschmack, wenn Ruhe ist.
- Streich deine eigenen Dopplungen und Widersprüche vor dem Versand; eine Liste, die sich selbst widerspricht, schiebt die Entscheidung an die Montage.
- Verschick sie zu einer benannten Fassung und ergänze nichts mündlich hinterher — genau diese Ergänzung geht verloren.
- Geh in der nächsten Sitzung die Statusspalte durch, statt die ganze Liste erneut von oben zu lesen.
Typische Stolperstellen
Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:
- Notizen ohne Timecode: Die Montage sucht die Stelle, bevor sie über sie nachdenken kann
- Den Schnitt vorschreiben statt die Wirkung — damit wirfst du genau das Handwerksurteil weg, für das du die Montage engagiert hast
- Bildnotizen mit Ton- und Farbnotizen mischen, Monate bevor eines von beidem fertig existiert
Mit TillyGen
TillyGen hält jeden Shot mit seiner Szene und der geplanten Absicht verbunden — eine Notiz im Schnitt führt damit zurück auf den Shotlist-Eintrag statt auf eine Vermutung darüber, was gemeint war.
Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich Schnittnotizen vom Feedback-Bogen?
Schnittnotizen kommen von ein bis zwei Personen aus dem Schnitt und sprechen Handwerk. Der Feedback-Bogen sammelt mehrere Beteiligte von außen, wägt ihre Kommentare gegeneinander ab und löst Widersprüche, bevor etwas im Schneideraum ankommt.
Sollte der Kunde die rohen Schnittnotizen sehen?
Nein. Sie enthalten halbe Gedanken, Rücknahmen und Kürzel, die von außen wie Unentschlossenheit wirken. Der Kunde bekommt eine Fassung plus einen strukturierten Feedback-Bogen zum Ausfüllen.
Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?
Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.
Lassen sich die Ergebnisse exportieren?
Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.