Untertitel-Styleguide-Vorlage

Untertiteln ist kein Abtippen, sondern eine tausendfach wiederholte Entscheidung darüber, was in die Lesezeit passt.

Worum es geht

Sobald zwei Personen an einem Projekt arbeiten, driften Untertitel auseinander: Die eine bricht nach Grammatik um, die andere nach Zeilenlänge; die eine schreibt Zahlen aus, die andere nicht; die eine kennzeichnet jede sprechende Person, die andere nur beim Wechsel. Zuschauende bemerken einzelne Entscheidungen nicht, spüren die Uneinheitlichkeit aber als Reibung. Ein Styleguide legt die Entscheidungen einmal fest, damit die Arbeit Ausführung wird statt Abwägung — und er rechnet sich mit jeder Sprachfassung erneut, weil eine übersetzende Person mit Regeln Dateien liefert, die eine Prüfrunde brauchen statt drei.

Die Vorlage ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel: Sobald sie zweimal von Hand ausgefüllt wurde, lohnt sich die Frage, ob das Dokument nicht aus dem Plan entstehen sollte.

Was hier anders läuft

Konkret heißt das in der Planung:

  • Maximale Zeichen pro Zeile und maximale Zeilenzahl, dazu der Lesegeschwindigkeits-Zielwert, an dem das ganze Projekt gemessen wird
  • Umbruchregeln: an grammatischen Einheiten trennen, Artikel beim Substantiv halten und nie eine Präposition am Zeilenende stehen lassen
  • Mindest- und Höchststandzeit je Untertitel sowie der Mindestabstand zwischen zwei Karten, damit nichts flackert oder über den Schnitt hinaussteht
  • Konventionen für Sprecherkennzeichnung und Geräuschbeschreibung bei barrierefreien Untertiteln, inklusive Off-Stimmen und Musik
  • Typografie und Position: Schrift, Größe, Hintergrund oder Kontur, Abstand zum Schutzbereich und wohin eine Karte rutscht, wenn sie eingebrannten Text verdecken würde

Schritt für Schritt

In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:

  1. Entscheide zuerst, für wen die Untertitel sind: Übersetzung für hörendes Publikum und barrierefreie Untertitel brauchen unterschiedliche Regeln.
  2. Leg Zeichen pro Zeile und Lesegeschwindigkeit als Zahlen fest und teste sie an der schnellsten Dialogstelle des Films, bevor du sie übernimmst.
  3. Schreib die Umbruchregeln mit je zwei Beispielen, einem richtigen und einem falschen — eine Regel ohne Beispiel wird interpretiert.
  4. Definier das Timing: wie weit eine Karte über einen Schnitt laufen darf, den Mindestabstand und was beim Szenenwechsel passiert.
  5. Leg Sprecherkennzeichnung und Geräuschbeschreibungen mit festem Vokabular fest, damit dieselbe Tür nicht knallt, schlägt und zufällt.
  6. Bestimm Typografie und Schutzbereich passend zur Lieferspezifikation und prüf, wohin eine Karte ausweicht, wenn Bauchbinden oder eingebrannte Grafiken dieselbe Stelle belegen.
  7. Gib den Leitfaden jeder übersetzenden Person zusammen mit Video und Quelldatei und prüf die ersten zwei Minuten jeder Sprache, bevor der Rest entsteht.

Typische Stolperstellen

Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:

  • Alles Gesagte untertiteln: Es entstehen Karten, die niemand zu Ende liest, und ein Film, der am unteren Bildrand gesehen wird
  • Karten, die über den Schnitt in die nächste Einstellung laufen — das wirkt selbst auf Zuschauende wie ein technischer Fehler, die nicht sagen können, warum
  • Barrierefreie Untertitel als normale Untertitel mit Label behandeln, sodass Musik, Off-Stimmen und relevante Geräusche unbeschrieben bleiben

Mit TillyGen

TillyGen führt die im Briefing vereinbarten Sprach- und Barrierefreiheitsfassungen bis in die Lieferliste — der Styleguide entsteht damit für eine bekannte Dateimenge und nicht für eine wachsende.

Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich barrierefreie und übersetzende Untertitel?

Barrierefreie Untertitel richten sich an Menschen, die die Tonspur nicht hören — sie kennzeichnen Sprechende, beschreiben relevante Geräusche und markieren Musik. Übersetzende Untertitel setzen Hören voraus und tragen nur die Sprache hinüber.

Sollte der Leitfaden konkrete Zahlen vorgeben?

Ja — und teste sie vorher an eigenem Material. Eine Regel wie gut lesbar halten erzeugt einen Stil pro Person; eine Regel mit Zeichenzahl und Lesegeschwindigkeit erzeugt einen Stil pro Projekt.

Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?

Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.

Lassen sich die Ergebnisse exportieren?

Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.