Lieferspezifikation-Vorlage

Ein Master, der Freitagnachmittag abgelehnt wird, ist kein technisches Problem — sondern eine Spezifikation, die nie geschrieben wurde.

Worum es geht

Jeder Empfänger hat Anforderungen, und sie decken sich selten: Ein Sender will einen anderen Loudness-Zielwert und ein anderes Tonlayout als die Mediendatenbank eines Kunden, eine Plattform will eine Datei, die das Mastering extra bauen muss. All das früh in einem Dokument zu sammeln, entscheidet Dinge, die in der Vorbereitung billig und nach der Mischung teuer sind — die Bildrate der Auslieferung, ob Untertitel eingebrannt oder als Datei geliefert werden, ob Stems geschuldet sind. Die Spezifikation macht auch eine Ablehnung überprüfbar: Mit ihr hat eine zurückgewiesene Datei einen benannten Punkt, ohne sie nur eine Meinung.

Die Vorlage ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel: Sobald sie zweimal von Hand ausgefüllt wurde, lohnt sich die Frage, ob das Dokument nicht aus dem Plan entstehen sollte.

Was hier anders läuft

Konkret heißt das in der Planung:

  • Bild: Codec und Container, Auflösung, Bildrate, Abtastung, Farbraum und Übertragungsfunktion, dazu die Frage nach einer textfreien Fassung
  • Ton: Kanalbelegung, welche Spur was trägt, der Loudness-Zielwert mit Messstandard wie EBU R128 und ob Stems mitgeliefert werden
  • Timeline-Konventionen: Start-Timecode, Vorspannbild oder Countdown, Schwarz am Anfang und Ende sowie der tatsächliche Programmstart
  • Text und Barrierefreiheit: Untertitel eingebrannt oder als Datei in einem benannten Format, Untertitel für Hörgeschädigte, Sprachfassungen als eigene Dateien
  • Benennung und Weg: exaktes Dateinamensmuster, Lieferplattform oder Datenträger, die Person, die den Empfang bestätigt, und das Fälligkeitsdatum

Schritt für Schritt

In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:

  1. Frag jeden Empfänger in der Briefing-Phase schriftlich nach seinem Spec-Sheet — bevor das Drehformat festgelegt ist, nicht nachdem die Mischung gebucht wurde.
  2. Stell die Anforderungen nebeneinander in eine Tabelle und markiere die Unterschiede: Genau sie sind die zusätzlichen Master, die du einplanen musst.
  3. Leg zuerst die Bildrate der Auslieferung fest und halte sie gegen die Drehbildrate — eine späte Wandlung fasst Bild und Ton gleichzeitig an.
  4. Schreib den Loudness-Zielwert samt Standard auf und notiere, wer misst, damit Mischung und Empfänger nicht zwei verschiedene Dinge messen.
  5. Entscheide Untertitel und Sprachfassungen früh: Eingebrannte Untertitel vervielfachen die Master, separate Dateien vervielfachen die Prüfungen.
  6. Vereinbare das Dateinamensmuster mit einer Beispielzeile und benutz genau dieses Beispiel, wenn die echte Datei entsteht.
  7. Fahr vor der Auslieferung eine eigene QC gegen das Blatt und heb den Report auf — eine Ablehnung beantwortest du dann mit einer Messung statt mit einer Zusicherung.
  8. Liefere aus, hol eine ausdrückliche Empfangsbestätigung und archiviere den Master zusammen mit der Spezifikation, nach der er gebaut wurde.

Typische Stolperstellen

Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:

  • Die geforderte Bildrate erst nach dem Picture Lock entdecken — die Korrektur fasst Mischung, Untertitel und jede Kürzung gleichzeitig an
  • Ein Loudness-Wert ohne benannten Standard: Auf dem einen Messgerät konform, auf dem anderen zu laut
  • Dateinamen beim Export erfunden — der Ingest des Empfängers weist eine inhaltlich völlig korrekte Datei zurück
  • Keine textfreie Fassung angefordert und ihr Fehlen erst bemerkt, wenn eine zweite Sprachfassung nötig wird

Mit TillyGen

TillyGen erfasst die geforderten Formate und Fassungen bereits mit dem Briefing — die Lieferliste existiert also, solange das Drehformat noch eine Entscheidung ist und keine Fessel.

Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.

Häufige Fragen

Wann legst du die Lieferspezifikation fest?

Im Briefing, bevor das Drehformat feststeht. Bildrate, Farbraum und Seitenverhältnis greifen in den Dreh zurück — jede dieser Entscheidungen ist dort billig und nach dem Lock schmerzhaft.

Was bedeutet EBU R128 hier?

Ein im europäischen Rundfunk verbreiteter Standard zur Loudness-Messung. Den Standard neben dem Zielwert zu nennen, ist entscheidend: Eine Zahl ohne Messverfahren ist keine prüfbare Vorgabe.

Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?

Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.

Lassen sich die Ergebnisse exportieren?

Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.