Gefährdungsbeurteilung für Dreharbeiten

Eine Gefährdungsbeurteilung denkt den Drehtag durch, bevor er passiert — auf Papier, wo Fehler nichts kosten.

Worum es geht

Das Arbeitsschutzrecht erwartet, dass Gefährdungen beurteilt werden, bevor die Arbeit beginnt — und ein Set ist Arbeit von besonders improvisierter Sorte: Strom neben Wasser, gerocktes Gewicht über Laufwegen, Fahrzeuge im Bild, Wetter mit eigener Meinung. Die Vorlage geht den Drehplan Tätigkeit für Tätigkeit durch — was könnte wen verletzen, wie wahrscheinlich, wie schwer — und erzwingt zu jeder Gefahr eine Maßnahme mit Namen daran. Ihr Ergebnis ist nicht das Dokument, sondern der veränderte Tag: das umverlegte Kabel, der eingeteilte Spotter, der Drohnen-Slot weg von der Menschenmenge.

Die Vorlage ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel: Sobald sie zweimal von Hand ausgefüllt wurde, lohnt sich die Frage, ob das Dokument nicht aus dem Plan entstehen sollte.

Was hier anders läuft

Die Punkte, an denen sich das von anderen Fällen unterscheidet:

  • Eine Zeile pro Tätigkeit und Gefahr — nicht pro Tag — denn Rigging, Drohnenflug und Fahraufnahme tragen verschiedene Risiken zu verschiedenen Stunden
  • Eine Bewertung aus Wahrscheinlichkeit und Schwere, einfach genug gehalten, dass die Crew sie benutzt statt bewundert
  • Maßnahmen als Handlungen mit verantwortlicher Person und Frist, denn Maßnahmen ohne Namen sind Wünsche
  • Ehrlich benanntes Restrisiko plus die Verbindung zur Sicherheitsunterweisung, über die die Erkenntnisse die Menschen erreichen, die sie schützen

Schritt für Schritt

In dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:

  1. Geh den Drehplan durch und liste jede Tätigkeit mit Gefahrenpotenzial: Rigging, Strom, Höhe, Fahrzeuge, Wasser, Tiere, Drohnen, Nachtarbeit.
  2. Benenn zu jeder, wer exponiert ist — Crew, Cast, Unbeteiligte — denn die Maßnahme unterscheidet sich je Gruppe.
  3. Bewerte Wahrscheinlichkeit und Schwere und lass die Bewertung entscheiden, wo sich der Planungsaufwand konzentriert.
  4. Definiere Maßnahmen als konkrete Handlungen mit Verantwortlichen und Prüfdatum — und ändere den Drehplan, wo eine Gefahr billiger zu vermeiden als zu beherrschen ist.
  5. Trag die tagesrelevanten Erkenntnisse in die Sicherheitsunterweisung und halte die Beurteilung am Set bereit, wo die Fragen entstehen.
  6. Überarbeite nach Vorkommnissen oder Planänderungen — eine verschobene Szene kann eine Gefahr vom Mittag in die Dämmerung verlegen und alles an ihr ändern.

Typische Stolperstellen

Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht:

  • Eine generisch kopierte Beurteilung, die kein Motiv, keine Szene und keinen Namen dieser Produktion erwähnt
  • Maßnahmen ohne Verantwortliche, die das Risiko auf die Person übertragen, die zufällig am nächsten steht
  • Das Dokument als erledigt betrachten, sobald es geschrieben ist, während der Drehplan darunter weiterwandert

Mit TillyGen

Der Plan in TillyGen zeigt Szenen mit Motiven, Zeiten und Besonderheiten früh — risikoreiche Tage wie Stunts, Nachtaußen oder Drohnen-Slots erkennst du in der Vorbereitung, wenn Gegenmaßnahmen noch Planungszüge sind.

Ändert sich eine Randbedingung, wandern die Folgen durch den ganzen Plan: betroffene Einstellungen werden markiert, die Disposition wird neu erzeugt, und niemand arbeitet weiter mit einer Fassung von gestern.

Häufige Fragen

Ist eine Gefährdungsbeurteilung bei einem kleinen Dreh Pflicht?

Gefährdungen zu beurteilen ist arbeitsschutzrechtliche Arbeitgeberpflicht — unabhängig von der Teamgröße. Das Dokument skaliert: Ein Einseiter kann einen einfachen Interviewtag abdecken. Das Nachdenken selbst ist nicht optional.

Wer schreibt die Gefährdungsbeurteilung einer Produktion?

Die Produktion als Arbeitgeberin verantwortet sie; der Input kommt aus den Gewerken, die ihre Gefahren kennen — Oberbeleuchter, Grip, Stunt, Drohnenpilotin. Verantworten heißt unterschreiben, nicht jede Zeile selbst schreiben.

Wie lange dauert die Einarbeitung in TillyGen?

Ein erstes Projekt lässt sich in unter einer Stunde anlegen. Es gibt keine Einrichtungsphase, in der erst Vorlagen und Felder konfiguriert werden müssen, bevor das Werkzeug etwas ausgibt.

Lassen sich die Ergebnisse exportieren?

Ja — als PDF für die Crew, als CSV für nachgelagerte Systeme und über die API für alles Automatisierte. Der Plan bleibt dabei die Quelle; die Exporte sind Ansichten davon.